GEMEINSAM BAU(T)EN WIR DIE ZUKUNFT

   

: : Die Schüler des Klassenraumes 310 staunten nicht schlecht als sie im März 2016 zum neuen Blockunterricht ihr altes Klassenzimmer betraten:
Ihre bis dato stark abgenutzten Schranktüren erstrahlten zwar im alten Farbton jedoch in neuem Glanz. Was war passiert? Schüler aus Russland (Jekaterinburg) bearbeiteten zusammen mit Fachschülern und Berufsschülern diese Schranktüren des Klassenzimmers im 3. internationalen Austauschprojekt.

    Die russischen und deutschen Schülerinnen und Schüler bildeten Zweierteams. Jedes Team entwickelte gemeinsam verschiedene Varianten dekorativer Lasurbeschichtungen. Jeder Projektteilnehmer bearbeitete eine Schranktür. Die Teampartner unterstützten und halfen sich gegenseitig bei der Arbeit. Während der Projektarbeit arbeiteten je die Hälfte der Teams in der Malerwerkstatt 2 und die andere Hälfte parallel in der Malerwerkstatt 1. In der Malerwerkstatt 2 erarbeiteten die Teams die Grundlagen der praktischen Arbeit und experimentierten mit verschiedenen Werkzeugen und der Öllasur. In der Malerwerkstatt 2 wurde die Beschichtung, von der Untergrundvorbehandlung bis zur Auftragen des Klarlackes, durchgeführt.
   

Nachdem die russische Delegation, bestehen aus 10 Schülerinnen und Schüler, 3 Lehrerinnen und einer Dolmetscherin, am Sonntag gut in Lahr angekommen waren, wurden sie Montagmorgen offiziell in der Schule begrüßt. Nach dem Rundgang durch die Schule startete nach einer Pause die Projektarbeit.
Vier Schülerteams prüften an kleinen Proben, welche Technik für das Entfernen der Beschichtung praxisgerecht ist. Fünf Schülerteams entfernten die Beschichtung thermisch, schliffen und grundierten die Schranktüren. Nach 90 Minuten wechselten die Teams. Mit einem gemeinsamen Abendessen endete der erste Tag.

    Der gruppenteilige Unterricht wurde am Dienstag fortgesetzt. Eine Gruppe der Schülerteams experimentierte mit Öllasur und verschiedenen Werkzeugen. Die andere Gruppe deckte die Rückseite der Schranktüren ab, spachtelte und lackierte den Füller im Hochdruckspritzverfahren. Nachmittag lernten die russischen Schülerinnen und Schüler das Stadtzentrum von Lahr kennen.
    Am Mittwoch wurden die Schranktüren geschliffen und mit dem Grundton lackiert. Auf Pappe entwickelten die Schülerinnen und Schüler individuelle Lasurtechniken für ihre Schranktüren.
Im Rahmen des Kulturprogrammes besuchte die Projektgruppe Gengenbach. Im Narrenmuseum staunten alle über die Vielfalt der alemannischen Fasent. Das Aufstellen des Narrenbaums bei einbrechender Dunkelheit war ein interessantes Spektakel.

Am vierten Tag (Donnerstag) wurden die Schranktüren mit den individuellen Lasurtechniken beschichtet und die Pappe für die Projektmappen lackiert. Die russische Delegation besichtigt mit deutscher Unterstützung die „Bächlestädtle“ Freiburg.
   
Besuch der Eberhardt Schöck Stiftung und eine Stadtführung in Baden-Baden machten den Freitag zu einem Erholungstag.
   

Durch die straffe Organisation wurde am 6. Projekttag (Samstag) das Projekt abgeschlossen. Die Schranktüren wurden mit einem Füllgrund und Mattlack spritzlackiert und die Projektmappen gefertigt. Nachmittags wurden in einer Abschlussfeier die Urkunden und Geschenke verteilt. Mit einem gemeinsamen Essen endet das praktische Projekt.


Am Sonntag fuhr die Projektgruppe mit dem ICE quer durch Deutschland nach Berlin zum 3-tägigen Aufenthalt
. Auf die Projektgruppe kam eine durch den Besucherdienst des deutschen Bundestages organisierte Veranstaltungsreihe von drei Tagen in Berlin zu.


Montag im Deutschen Bundestag erhielten die russischen Projetteilnehmer eine gesonderte russischsprachige Führung. Die bei der Gestaltung und dem Umbau des Reichstages zu einen modernen Parlamentsgebäude konservierten Graffiti von russischen Soldaten vom Ende des Zweiten Weltkrieges erregten viel Aufmerksamkeit.
Die Dauerausstellung "Wege - Irrwege - Umwege" im Deutschen Dom war zweiter Pflichtprogrammpunkt. Die drei Museumsangestellten gestalteten ein ausgesprochen informatives Programm. Sie erkannten unsere speziellen Bedürfnisse sofort und gingen mit ihren Ausführungen und Aufgaben sehr auf uns ein.
Das Wetter an den freien Nachmittagen von Montag und Dienstag bot sich geradezu an, die Erkundung Berlins in die unendliche Zahl von Kaufhäusern zu verlegen.
Der Mittwoch war sonnig, kalt und trocken. Die geplante Stadtwanderung zu „(russischen) Orten in Berlin“ hätte keinen besseren Rahmen finden können. Die besuchen Plätze, Gebäude und Orte in den verschiedenen Stadtbezirken wurden nie langweilig. Eindrucksvoll waren die Berichte und Erläuterungen von Frau Dyck, die ihr Leben in (West-)Berlin vor und nach der Wende schildern konnte.
Das Projekt fand am Abend einen stimmungsvollen Abschluss bei einem gemeinsamen Beisammensein.

Donnerstag früh flog die russische Delegation von Berlin-Schönefeld nach Jekaterinburg. Die deutschen Projektteilnehmer verbrachten noch einen halben Tag in Berlin, um dann am späten Nachmittag mit der Bahn nach Lahr zurück zu fahren.

   

Keine vier Wochen nach dem Besuch der russischen Schüler in Lahr erfolgte der Gegenbesuch in Russland. Zwölf lange Tage mussten die Schüler Abschied vom Schwarzwald nehmen, um im frostig weißen Jekaterinburg ihre handwerklichen Fähigkeiten mit den russischen Schülern weiterzuentwickeln. Thema des russischen Projektes war die Neugestaltung der Wände in Speisesaal. In den ersten Tagen wurden in der Malerwerkstatt Farbentwürfe erstellt und Musterflächen für die dekorativen Techniken vorbereitet.
Unterstützt wurde die Kreativität der Schüler durch den Besuch des  Oberflächensalons des russischen Farbenherstellers DEFUFA.
Neun Techniken standen zur Verfügung. Zu diesen Techniken waren Grundtöne bestimmt. Jeder Schüler fertigte aus den Grundtönen einen Farbentwurf.
Nachdem der Farbentwurf von Juliane Busam ausgewählt wurde, begann die Arbeit vor Ort im Speisesaal. Die Konturen der Flächengliederung wurden mit Effektfarbe beschichtet und mit Abdeckband maskiert. Dann wurden auf die Flächen die Farbmuster nach dem Farbentwurf aufgeklebt.
Jede der Techniken wurde von einem russisch/deutschen Schülerteam an die Wand gebracht. Dies war mangels notwendiger Sprachkenntnisse manchmal nur unter vehementem Einsatz der Körpersprache zu bewältigen.
Dass das Projekt erfolgreich ausgeführt wurde, bestätigte bei seinem Besuch der Schule der Referatsleiter für berufliche Bildung des Swerdlowsker Gebietes.

   

Was wäre ein internationaler Austausch ohne Kulturprogramm? Der Einstieg dazu erfolgte mittels einer Infotour in einer Straßenbahn durch und über Jekaterinburg: Die blutige Geschichte der letzten Zarenfamilie Romanow, die grüne mystische Geschichte des Malachit und vieles mehr schufen ein unvergessliches Bild der Stadt. Genauso beeindruckend war für alle die Fahrt durch malerische Dörfer im Ural, der Besuch in Newjansk, die Besichtigung einer Töpferwerkstatt mit einem original russischen Mittagessen in einem dörflichen Bauernhaus. 

Pflichtprogramm war auch beim 3. Projekt die Fahrt zur Grenze Europa/Asien und der Besuch des Männerklosters „Ganina Jama“, das auf der Hinrichtungsstätte der Romanows errichtet wurde.

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Getoppt wurde das Kulturprogramm durch den Besuch der Oper „Madam Butterfly“ am letzten Abend des Aufenthaltes in Jekaterinburg. Die deutschen Schüler nahmen mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied von den lieb gewonnen neuen Freunden aus Russland.


Sie bedankten sich bei der Abschlussfeier bei den betreuenden Lehrkräften, den Schülern, dem Direktor und natürlich auch bei der Schöck-Stiftung für dieses große Geschenk, das sie hier erhalten hatten.


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